Der Sommer ist vorbei. Die Tage werden kür­zer und dunk­­ler, der Himmel ist oft grau und regenverhan­gen, und die Sonne ver­steckt sich häufig hinter dicken Wol­ken. Knorri­ge Bäume recken ihre kah­len Äste in den düs­teren Him­mel, die Zugvö­gel sind auf dem Weg in den sonni­gen Sü­den, und wer hier­bleibt, deckt sich mit Vor­rä­ten ein, um die karge Zeit zu überste­hen. Der Winter naht, das Leben ist auf dem Rückzug – sichtbar und spürbar.

Man könnte depressiv werden, wenn man nicht wüsste, dass diese trübe Zeit nicht ewig dauert. Früher oder später kommt der Frühling zurück. Mit ihm bricht sich die Sonne ihre Bahn, die Tage werden wieder länger, und wer sich im Herbst verkrochen hat, drängt jetzt zurück ans Licht. Zarte Triebe schieben sich aus frostiger Erde, die Bäu­me schlagen aus, und die Vögel begrüßen zwitschernd den neu­en Tag. Das Leben bricht auf – wieder ein­mal. Dieser Kreislauf der Natur ist vom Schöpfer garan­tiert: „Solange die Erde steht, soll nicht auf­hören Saat und Ern­te, Frost und Hitze, Sommer und Win­ter, Tag und Nacht.“ (1. Mose 8,22) In diesem Be­wusstsein lässt sich die dunkle Jah­res­zeit ertragen.

Doch wie ist das, wenn sich das eigene Leben dem Ende zuneigt? Wenn die Ta­ge mühsamer werden und die Kräfte nachlassen? Wenn die Beine ihren Dienst versagen, die Augen nicht mehr richtig wollen, und die Hände anfangen zu zittern? Wenn man sich mehr und mehr selbst verliert und zuneh­mend auf fremde Hilfe angewiesen ist? Wie lässt sich die eigene Vergänglichkeit ertragen, wenn sie einem hautnah auf die Pelle rückt? Gibt es für uns auch einen Frühling? Einen neuen Aufbruch des Lebens? Eine Hoffnung, die über Sterben und Ver­gessenwerden hinaus­reicht?

 „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ sagt einer, der es wissen muss. Hiob, der Geschlagene, der Leidgeprüfte, der Inbegriff von Schmerz, Verlust und Verlassenheit. Alles war ihm genommen worden: Sein Ver­mögen und sein Besitz, seine Söhne und Töchter und schließlich seine Gesundheit. „Da setzte sich Hiob in einen Aschenhaufen und kratzte mit einer Scherbe an seinen Geschwüren herum.“ Selbst seine Frau erträgt diesen erbärmlichen Anblick nicht: „Schwör dei­nem Gott ab, und stirb.“ Sieh doch ein, dass es für dich keine Hoffnung gibt, du Narr! Dein Glaube war gut, solange es dir gut ging. Jetzt ist er nichts mehr wert. Sieh dich an und sieh endlich ein: Dein Gott hat dich verlassen!

Doch Hiob hört nicht auf seine Frau. Er hört auch nicht auf seine Freunde. Hiob hört nur auf die Stimme seines Herzens, die sagt: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ Das lasse ich mir von niemandem ausreden, egal, wie es mir geht. Ob mein Leben Grund zur Hoffnung gibt oder nicht. Ob Gott mich aus mei­nem Leid befreit oder nicht. „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ Gott sieht mich! Er kennt mein Leiden und meine Schmerzen, er ist bei mir und er kümmert sich um mich; Tag und Nacht, in Freud und Leid, im Leben und im Sterben. Und am Ende macht es mein Gott gut mit mir. Denn ich werde bei ihm sein, in seiner Herrlichkeit – er­löst von meinem Leid, befreit von meinem Schmerz, getröstet in meiner Traurigkeit, errettet von meiner Vergänglichkeit.

Auf uns wartet tatsächlich der Frühling, ein Aufbruch des Lebens, eine Hoffnung, die über Sterben und Vergessenwerden hinaus­reicht. Der Tod hat eben nicht das letzte Wort, sondern Gott, der uns erschaffen hat. Sein letzes Wort lautet: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Hiob hat‘s geglaubt. Und Sie? Was glauben Sie?

Eine „dunkle“ Jahreszeit voller Hoffnung und Lichtwünscht Ihnen

Ihr

Roland Hölzl, Pastor

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