125 Jahre FeG Duisburg-Wanheimerort

„Nur wer die Vergangenheit kennt,
kann die Gegenwart verstehen
und die Zukunft gestalten.“

Dieser Satz von August Bebel (deutscher Sozialdemokrat, 1840-1913) kam mir in den Sinn, als ich über unser Gemeindejubiläum nachgedacht habe. Von den 125 Jahren, die es die FeG Duisburg-Wanheimerort schon gibt, kennen wir alle nur einen kleineren oder größeren Ausschnitt. Bei mir sind es zehn Jahre – plus das, was ich in der Gemeindechronik gelesen habe. Übrigens – diese Schrift kann ich jedem empfehlen, denn: „Nur wer die Vergangenheit kennt …“

Vielleicht nehmen wir unser Jubiläum ja zum Anlass, um uns mit der Geschichte unserer Gemeinde zu beschäftigen, damit wir verstehen, wer wir heute sind. Das ist nicht nur spannend, sondern hilft auch, die
Segensspuren Gottes zu entdecken, der die Gemeinde in großer Liebe und Treue durch die Jahrzehnte hindurch begleitet hat.

Sonntagsschule Wanheimerort,1921

Es gab gute Zeiten, in denen die Gemeinde gewachsen ist, Menschen zum Glauben kamen, viele Kinder die Sonntagschule besucht haben und die Gemeinde prägend in den Stadtteil hineingewirkt hat. Es gab aber auch düstere Zeiten, die von Kriegswirren geprägt waren, mit schrecklichen Bombennächten, einem vermissten Pastor und einem zerstörten Gemeindehaus. Doch Gott hat immer wieder Kraft und Mut geschenkt zum Aufbruch und zum Aufbau. 1959 wurde das neue Gemeindehaus in der Eschenstraße eingeweiht, das inzwischen schon wieder das Alte ist. Die damit einhergehende Neuorientierung ist heute veraltet und überholt. Und dennoch – dass wir sind, was wir sind, verdanken wir den Geschwistern vor unserer Zeit. Sie haben in großem Glauben und mit viel Hingabe ihre Zeit, ihre Kraft, ihre Gaben und ihr Geld in die Gemeinde investiert. Schauen wir dankbar auf sie zurück. „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen …

Jungmännervereinigung,1921

Jetzt geht es darum, „… die Zukunft zu gestalten“. Die Zeiten haben sich gründlich geändert – die Menschen auch. Wir sind postmodern geworden. Die alten Lebensentwürfe haben aus- gedient. Mit preußischen Tugenden wie Ordnung, Moral und Disziplin erreicht man heute keinen mehr. Das kann man betrauern und beklagen. Man kann aber auch fragen, was den Menschen heute wichtig ist. Sie wollen bejaht werden, nicht belehrt. Sie wollen dazugehören und Teil einer communitiy sein. Gleichzeitig sind sie zurückhaltend, wenn es darum geht, sich dauerhaft zu binden. Wahrhaftigkeit, Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit und Authentizität sind gefragt. Der Glaube muss echt sein und tragfähig, sonst bringt er nichts. Und Gott muss erfahrbar sein, der Gottesdienst ganzheitlich und die Gemeinde lebendig. Sie muss Wärme ausstrahlen, Geborgenheit vermitteln, Halt bieten – und zugleich Raum geben für individuelle Entfaltung und Frömmigkeit. Alles gute Voraussetzungen, um Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Denn all das können wir als Gemeinde bieten – vorausgesetzt, wir folgen selbst Jesus konsequent nach. Er hat die Menschen erreicht, weil er anders war als die gesetzestreuen Frommen seiner Zeit. Wir müssen auch anders sein. Wir müssen uns auf die Menschen Gott muss erfahrbar sein. einlassen – auf ihre Fragen und Zweifel, auf ihre Sorgen und Nöte. Statt an Althergebrachtem festzuhalten müssen wir mit der Zeit gehen – und mit den Menschen. Sonst fallen wir aus der Zeit und verlieren die Menschen. Gemeinde ist kein Museum, sondern ein Lebensraum für alle, die auf der Suche sind nach Wahrheit und Liebe, nach Gemeinschaft, Geborgenheit und Sinn.

Dabei kommt mir noch ein Satz in den Sinn: „Wer sein will wie die Väter, muss anders sein als sie.“ Soll heißen: Unsere Vorfahren haben etwas erreicht, weil sie neue Wege gegangen sind. Sie haben mit Traditionen gebrochen und Neues gewagt. Sie sind bei den Bewahrern angeeckt, um kirchenferne Menschen zu erreichen. In ihrem Anderssein sollen wir ihnen gleichen.

Ich sehe unser Jubiläumsjahr als Chance für Aufbruch und Neuanfang. Beides ist notwendig. Nicht, weil Vergangenes schlecht war, sondern weil sich die Zeiten, die Gesellschaft und die Menschen verändert haben. Das Evangelium hat sich nicht verändert. Das gilt seit 2.000 Jahren. Jesus Christus ist derselbe – gestern, heute und in Ewigkeit. Dieses alte Evangelium muss auf neuen Wegen zu den Menschen kommen. Dann hat unsere Gemeinde eine Zukunft.

In der Hoffnung auf ein spannendes, erfahrungsreiches und gesegnetes Jubiläumsjahr grüßt Sie herzlich Ihr Pastor Roland Hölzl